Fast zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen finden zu wenig Fach- und Führungskräfte am heimischen Markt. Vor drei Jahren lag die Quote noch knapp unter der 50-Prozent-Marke. Entgegengesetzt ist die Lage bei Großunternehmen: Die Zahl der Gesellschaften mit über 500 Mitarbeitern, die einen Mangel an entsprechend qualifiziertem Personal beklagen, ist deutlich von 75 auf 56 Prozent gesunken. „Je mehr gute Leute diese Unternehmen allerdings finden, desto härter wird der Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte für den Mittelstand", betont Barbara Wittmann, Direktorin Talent Solutions und Mitglied des Führungsteams bei LinkedIn Deutschland, Österreich, Schweiz. Gemeinsam mit Bitkom Research veröffentlichte das Businessnetzwerk kürzlich die dritte Auflage dieser Studie. Die Ergebnisse beruhen auf den Angaben von fast 1.000 Entscheidern in Personal- oder Managementbereichen deutscher Unternehmen.


Unternehmen suchen gezielt ausländische Fachkräfte

Als Konsequenz daraus haben sich drei Viertel der Mittelständler und 42 Prozent der Großunternehmen in den vergangenen Monaten damit beschäftigt, im Ausland Personal zu rekrutieren. Ausländische Fachkräfte werden vor allem für die Tätigkeitsbereiche Informationstechnologien und Telekommunikation, Controlling, Einkauf und Vertrieb nachgefragt. Als besonders interessant gelten dabei Berufseinsteiger und Young Professionals, die sich durch eine bis zu fünfjährige Berufserfahrung auszeichnen.


Kreative Mitarbeiter mit sozialer Kompetenz leichter im Ausland zu finden

Die gefragten Fachqualifikationen Digitalkompetenz, Wissensmanagement und Big Data Skills sind laut Studie im In- wie im Ausland etwa gleich schwer zu finden. Anders ist das bei Programmierern, die 27 Prozent der Befragten „sehr leicht“ jenseits der Landesgrenzen erreichen. Für den heimischen Markt gelte dies nur bei 15 Prozent der Unternehmen. In Bezug auf Sozialkompetenzen sind Mitarbeiter, die gut vor Publikum präsentieren können oder Kreativität mitbringen, leichter im Ausland zu finden. Die Fähigkeiten Gesprächs- und Verhandlungsführung sind im In- und Ausland ähnlich verteilt, wohingegen cross-funktionale Kompetenzen einfacher im Inland zu finden sind, heißt es weiter.


Mittelstand erzielt Rekrutierungserfolge in sozialen Netzwerken

Die wichtigsten Plattformen, um qualifizierte Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren, sind laut Studie inzwischen soziale Netzwerke: Während im Jahr 2013 bereits knapp drei Viertel der Mittelständler diesen Weg einschlugen, sind es inzwischen 94 Prozent. Zum Vergleich: Dahinter folgen Karriereseiten mit 89, Online-Jobbörsen mit 82 sowie Personalvermittler mit 81 Prozent. Rekrutierungskanäle, die Großunternehmen als "sehr erfolgreich" bezeichnen, sind unter anderem Kontakte über ausländische Partner (64 Prozent), über Auslandshandelskammern (37 Prozent) oder LinkedIn (32 Prozent).


Ausländische Fachkräfte bleiben zwei Jahre und länger im Unternehmen

Die Rekrutierung im EU-Ausland dauert nach den Erfahrungen vieler Umfrageteilnehmer nicht lange: 53 Prozent aller Unternehmen konnten geeignete Fach- und Führungskräfte innerhalb von drei bis neun Monaten für sich gewinnen. Danach müssen sich die Arbeitgeber keine Sorgen machen, wie es heißt, dass die ausländischen Fach- und Führungskräfte gleich wieder weiterziehen. Denn 78 Prozent des eingestellten Personals verweilt zwei Jahre oder länger im Unternehmen. Im Ergebnis sind sich 89 Prozent der Befragten einig, dass ausländische Kräfte nach angemessener Einarbeitung die gleiche Arbeitsleistung erbringen wie vergleichbar qualifizierte deutsche Kollegen.

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit


Stand der Informationen: Juni 2016