Allein im vergangenen Jahr investierten chinesische Anleger weit mehr als zehn Milliarden Euro in Deutschland und übernahmen rund 39 Firmen. Laut einer aktuellen Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ist dies ein neuer Rekord. Da die meisten Investitionen für sich genommen zu klein sind, um in Presse oder Bundesanzeiger veröffentlicht zu werden, rechnet das Institut mit einer faktisch noch höheren Summe. Seit 2005 haben chinesische Investoren damit 196 deutsche Unternehmen ganz oder teilweise übernommen. Zumeist sichern sie sich vor allem kleine Betriebe aus dem Maschinenbau, der Automobilindustrie sowie den Bereichen Pharma und Erneuerbare Energien.


Chinesische Investoren sichern sich deutsches Knowhow

In Deutschland werden die Aktivitäten chinesischer Investoren nach Einschätzung der IW-Experten zunehmend kritisch gesehen. China investiert seit 2014 mehr im Ausland als ausländische Unternehmen umgekehrt im asiatischen Staat. Ein Teil der chinesischen Direktinvestitionen entfällt auch auf Deutschland. „Chinesische Investoren sichern sich durch die Übernahmen deutsches Knowhow und stoßen in neue Märkte vor“, sagt IW-Wissenschaftler Christian Rusche. Was bedrohlich klingen mag, hat derzeit große Vorteile für die hiesige Wirtschaft. Denn häufig schlagen chinesische Firmen bei Unternehmen zu, die in wirtschaftliche Schieflage geraten sind. „Zwar greifen chinesische Firmen auf Spitzentechnologie zu, sie sichern und schaffen aber auch viele Arbeitsplätze in Deutschland“, sagt Rusche. „Unter dem Strich überwiegen also die positiven Aspekte des chinesischen Engagements.“


Chinesische Staatshilfe verzerrt den Wettbewerb

Ein Problem jedoch bleibt: Es heißt, dass bei den ausländischen Übernahmen häufig chinesische Politiker beteiligt sind, während sie gleichzeitig Investitionen im eigenen Land ausbremsen. Dadurch wird der Wettbewerb verzerrt, denn chinesische Firmen können ihre deutschen Konkurrenten mit Staatshilfen leichter übernehmen und darauf vertrauen, dass der Staat sie im Zweifel vor Übernahmen schützt. Deshalb empfiehlt Christian Rusche, dass die Politik auf die Öffnung des chinesischen Marktes hinwirken sollte, um solche Ungleichgewichte zu vermeiden.

Zur IW-Analyse (PDF, 918,0 KB)

Stand der Informationen: Juli 2017