Es sollte ein Weihnachtsfest fernab der Heimat werden: Die Reisenden hatten eine Pauschalreise in die Türkei gebucht. Flug, Transfer und Hotel inbegriffen. Doch die Reise endete bevor sie richtig begonnen hatte. Nach der Landung verunglückte der Transferbus auf seiner Fahrt vom Flughafen ins Hotel: Auf der eigenen Fahrspur wurde der Bus durch ein entgegenkommendes Fahrzeug gerammt. Die Reisenden erlitten dadurch zum Teil schwere Verletzungen.


Landgericht wies Klagen der Reisenden ab

Die Betroffenen sahen in dem Unfall einen Reisemangel und verklagten den Reiseveranstalter auf Rückzahlung des Reisepreises. Während das Amtsgericht den Klagen teilweise stattgab, wies das Landgericht in der Berufung die Klagen ab. Der Kern der Urteilsbegründung: Der durch den „Geisterfahrer“ verursachte Unfall verwirklicht ein allgemeines Lebensrisiko der Reisenden, für das der Reiseveranstalter nicht einstehen muss. Ein Reisemangel liegt daher nicht vor. Daraufhin gingen die Kläger die Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH).


Unverschulden des Reiseveranstalters ist unerheblich

„Die Reiseleistung war insgesamt mangelhaft, weil es dem Reiseveranstalter nicht gelungen ist, die Reisenden unversehrt zu dem gebuchten Hotel zu bringen. Deswegen konnten sie auch die weiteren Reiseleistungen nicht in Anspruch nehmen“, urteilten hingegen die BGH-Richter. Der Umstand, dass den Reiseveranstalter kein Verschulden an dem durch den "Geisterfahrer" verursachten Unfall traf, ist für die Erstattung des Reisepreises unerheblich, heißt es weiter in der Begründung. Denn der Reiseveranstalter trägt die Preisgefahr – also das Risiko, den vereinbarten Reisepreis nicht zu erhalten – auch dann, wenn der Reiseerfolg durch Umstände vereitelt wird, die weder ihm noch dem Reisenden zugerechnet werden können. Deshalb hob der BGH die Urteile des Landgerichts auf und verurteilte den Reiseveranstalter zur Erstattung des Reisepreises.
(BGH, Urteile vom 6. Dezember 2016, Az.: X ZR 117/15 und X ZR 118/15)

Stand der Informationen: Dezember 2016