Wiebke Cundill, Risk Engineer bei HDI Risk Consulting

Gewaltige Sturzfluten reißen Geröll, Bäume und Autos mit sich. Häuser werden beschädigt, zum Teil innerhalb von Minuten meterhoch geflutet. Menschen flüchten in höhere Stockwerke, um von den Wassermassen nicht mitgerissen oder eingeschlossen zu werden. Diese verheerenden Bilder von Ende Mai/Anfang Juni dieses Jahres aus verschiedenen Regionen Deutschlands dürften vielen noch gut in Erinnerung sein. Von den Überschwemmungen besonders stark betroffen waren Orte nahe Bächen oder kleineren Flüssen wie Braunsbach in Baden-Württemberg, Simbach in Bayern und Altenahr in Rheinland-Pfalz. Was viele unterschätzen: Solche Naturkatastrophen, wie sie die Sturmtiefs „Elvira“ und „Friederike“ verursachten, können genauso Gebiete heimsuchen, die nicht in der Nähe von Gewässern liegen. Starkregen kennt keine Grenzen und die Gefahren sind nicht minder groß.


In der Spitze fielen 292 Liter pro Quadratmeter innerhalb von sieben Stunden

Anders als bei großflächigen Hochwasser-Ereignissen bleibt den Menschen bei Starkregen oft nur sehr wenig Vorwarnzeit. So fielen bspw. im Raum Münster im Juli 2014 innerhalb von sieben Stunden 292 Liter pro Quadratmeter. Für die Dauer von zwei Stunden wurde sogar ein Allzeitrekord von 220 Litern pro Quadratmeter gemessen. Zum Vergleich: Normalerweise beträgt der Niederschlag dort im gesamten Monat Juli lediglich 76 Liter pro Quadratmeter. Entsprechend schnell spitzte sich die Situation in der betroffenen Region zu.


Erhöhte Risiken durch Senken, Hanglagen, Bäche und Verdolungen

Der Starkregen lässt die Wassermassen ansteigen, die sich dann ihren Weg bahnen. Besonders in topografisch tieferliegenden Gebieten sowie in Senken und Hanglagen können sich hieraus schnell zerstörerische Sturzfluten entwickeln. Gleiches gilt in Gegenden nahe kleinerer Gewässer oder mit unterirdischen, verdolten Wasserläufen, die nur begrenzte Wassermengen durchleiten können. Wir kennen Unternehmen, bei denen solche Verdolungen vor Jahrhunderten zur Energiegewinnung angelegt wurden.


Starkregen-Ereignisse könnten sich zukünftig verdoppeln bis verdreifachen

Die Energienutzung gehört zwar längst der Vergangenheit an, aber die Wasserläufe existieren bis heute – und erhöhen die Überschwemmungsgefahr vor Ort. Tendenz steigend: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft veröffentlichte unlängst eine Studie, nach der bis zum Ende dieses Jahrhunderts mit einer Verdoppelung bis Verdreifachung solcher extremen Ereignisse zu rechnen ist.


Frühzeitiges Handeln kann Schadenausmaß begrenzen

Trotz der kurzen Reaktionszeiten können Unternehmen durch gezielte Präventionsmaßnahmen das Ausmaß von Schäden durch Starkregen-Ereignisse begrenzen. So lassen sich die Risiken durch eine Gefährdungsanalyse identifizieren und z. B. die Gefahr von Überschwemmungen durch die Schaffung von Grün- oder Rückhalteflächen verringern. Durch Aufkantungen können Keller- und Erdgeschossbereiche geschützt werden. Ein Plus an Sicherheit wird auch erreicht, wenn die Gebäudetechnik oder EDV-Anlagen statt im Keller oder Erdgeschoss auf oberen Etagen installiert werden. Wir unterstützen unsere Kunden gern bei der Risikobewertung und Prävention. Es liegt in Ihrem und unserem Interesse.

Stand der Information: August 2016