Bei Containertransporten ist das sogenannte ACEP (Approved Continuous Examination Program) gängige Praxis. Gemeint ist eine fortlaufende Kontrolle durch Wartung: Nach ihrer Entladung bringen Spediteure die Container zurück ins Depot. Dort werden sie im Auftrag der jeweiligen Eigentümer, wie zum Beispiel Reedereien und Leasinggesellschaften, von geschultem Personal durch eine äußere Sichtprüfung auf Mängel untersucht. Erst nach

der Kontrolle oder nachdem die festgestellten Schäden behoben sind, werden die Container für eine Wiederbeladung freigegeben. Auf diese Weise werden beschädigte Container frühzeitig aus dem Verkehr gezogen und nicht erst bei den gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen, die in mehrjährigen Intervallen stattfinden.


Spediteure verzichten auf den Rücktransport entleerter Container

In jüngster Zeit ist jedoch ein neuer Trend zu beobachten: Im Zuge einer immer schnelleren Verarbeitung von Transportdaten verzichten Spediteure zunehmend darauf, die entleerten Container zurückzusenden. Stattdessen werden sie direkt zum nächsten Verladeort gebracht. Dieses Verfahren nennt sich „Container Triangulation" oder auch „Street Turn". Es spart Zeit, Kosten und schont die Umwelt. „Problematisch ist aber, dass durch den Wegfall der Sichtkontrollen das Risiko von Transportschäden deutlich steigt", sagt Markus Ebest, Risiko-Ingenieur bei HDI Risk Consulting (HRC).


Container Triangulation – ein neuer Trend im Transportwesen

Container Triangulation

Transportgüter können durch eindringendes See- oder Regenwasser beschädigt werden

Je häufiger Container derart unkontrolliert eingesetzt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Abnutzungen und Schäden nicht erkannt werden. Mangelhafte Türdichtungen und Türverschlüsse erhöhen die Gefahr, dass eindringendes See- oder Regenwasser die Transportgüter direkt beschädigt. Bereits leichte Risse oder kleinste Löcher an Dächern, Wänden oder Böden der Container können das „Kryptoklima“ auf den Kopf stellen. Anders ausgedrückt: Die Luftfeuchtigkeit im Innern des Containers kann so das Niveau von Gewächshäusern erreichen. Die geladenen Waren können dann anfangen zu rosten oder zu schimmeln.


Globale Lieferketten überprüfen

Zur Risikobegrenzung empfiehlt der HRC Risiko-Ingenieur Unternehmen deshalb, zunächst intern zu klären, ob ihre globale Lieferkette von einer „Container Triangulation" betroffen ist. „Oft sind es verschiedene Personen, die einerseits die Container bereitstellen und andererseits die Transporte planen", ergänzt Markus Ebest. Auch Transportdienstleister setzen häufig auf dieses verkürzte Verfahren, ohne ihre Auftraggeber darüber zu informieren.

 


HRC unterstützt Unternehmen, Kontrollverfahren vor der Wiederbeladung umzusetzen

Wurden die betroffenen Standorte identifiziert, empfiehlt HRC, direkt vor Ort einen eigenen standardisierten Kontrollprozess (Checkliste Zustandskontrolle des Containers) für die Freigabe zur Beladung zugestellter Container aufzusetzen. Auf diese Weise lässt sich sicherstellen, dass für die nächsten Transporte keine ungeprüften Container bereitgestellt werden. „Wir unterstützen Unternehmen dabei, indem wir gemeinsam eine Checkliste erarbeiten, wie solche Kontrollen den individuellen Anforderungen folgend am besten umgesetzt werden können“, erläutert der Risiko-Ingenieur. „Jedoch“, betont Markus Ebest „bleibt der Container-Rücktransport an ein Depot dennoch der beste Weg, um sicherzustellen, dass nur funktionell einwandfreie und unbeschädigte sowie gegebenenfalls fachgerecht instandgesetzte Container eingesetzt werden. Das gilt insbesondere für Transporte, bei denen Container mit höheren Standards erforderlich sind, wie es zum Beispiel bei Medikamenten oder Lebensmitteln der Fall ist.

Bei Rückfragen unterstützt Sie gerne Risiko-Ingenieur Markus Ebest per Mail an: Markus.Ebest@hdi.global und telefonisch unter: 0511 / 645-59503


Stand der Informationen: April 2019