Herr Becker, „Integrated Industry” war das große Thema der diesjährigen Industrie-Messe in Hannover. Was bewegt Sie und vor allem Ihre Kunden in den USA am meisten bei diesem Thema?
Die größte Sorge unserer Kunden ist beim Thema „Integrated Industry“ die Sicherheit ihrer Daten und ihrer IT-Systeme. Das trifft aus meiner Sicht nicht nur für unsere US-Kunden zu, sondern das ist weltweit eine große Sorge in Unternehmen. Der Diebstahl der Daten von 110 Millionen Kunden eines US-Unternehmens hat dieser Sorge Auftrieb gegeben. Das Unternehmen musste infolge dieses Datenverlusts nicht nur für Schadenersatzansprüche von Kunden und Geschäftspartnern aufkommen; es musste auch seinen guten Ruf wiederherstellen.
Die Digitalisierung und Vernetzung ihrer Produktionsanlagen stellt für unsere Versicherungsnehmer hinsichtlich der IT- und Datensicherheit eine große Herausforderung dar. Wenn in ihren Anlagen Daten entwendet oder manipuliert werden, kann dies nicht nur zum Produktionsstillstand an einem Standort führen, sondern zum Ausfall aller Standorte eines Unternehmens. In Gefahr sind hier zudem auch das Know-how und das geistige Eigentum des Unternehmens.

Was sind aus der Sicht eines Industrieversicherers die wesentlichen Risiken dieses Trends zu integrierten Industrie-Anlagen?

Integrierte oder digital vernetzte Industrie-Anlagen bringen das Risiko mit sich, dass Cyber-Kriminelle Daten stehlen oder manipulieren. Damit können sie nicht nur in Produktionsabläufe eindringen, sondern diese auch sabotieren und lahmlegen. Das ist das große Risiko.
Der Trend zur integrierten Industrie erschwert im Schadenfall auch die Suche nach Schadenursachen. Das hängt mit der dezentralen und komplexen Computer- und Produktionsarchitektur weltweit tätiger Unternehmen zusammen. Wenn heute bei einem Global Player eine Produktionsanlage ausfällt, kann das viele Ursachen haben: eine lockere Schraube in einer Maschine, einen Softwarefehler – oder auch einen Cyber-Angriff, der vom Ausland aus gesteuert wurde.


Was sind die wesentlichen Vorteile dieses Trends?
Der Vorteil von „Integrated Industry” besteht darin, dass sie helfen kann, Bedrohungen und Schäden zu verhindern oder zumindest zu erschweren – und zwar indem automatisierte Warnsysteme auf Angriffe oder Fehler hinweisen und präventive Abwehrmaßnahmen auslösen. Solche automatisierten Kontrollen können eine Vielzahl von Risiken mit Ursprung in IT-Systemen verringern. Damit lassen sich dann auch Betriebsausfälle und andere Gefährdungen von Unternehmen vermindern.
Der Trend zur integrierten Industrie kommt auch den Industrieversicherern zugute. Technische Innovationen in Branchen wie Energie, Gesundheit und Transport – Beispiel: autonomes Fahren – fordern die traditionelle Industrie heraus und führen möglicherweise zu neuen Märkten und Anbietern, die wir als Industrieversicherer begleiten werden.


Wie unterstützt HDI als Industrieversicherer seine Kunden auf ihrem Weg in die Welt der integrierten Produktionsanlagen?

Wir sind ständig im Dialog mit unseren Versicherungsnehmern. Wir verfolgen auch die Entwicklungen und Fortschritte in ihren Branchen ganz genau. Entsprechend dieser Veränderungen entwickeln wir bei uns neues Know-how, damit wir unsere Kunden immer auf Augenhöhe beraten können. Nur so können wir ihre Versicherungslösungen bei Bedarf an mögliche neue Risiken anpassen oder komplett neue Versicherungslösungen entwickeln.


Stand der Information: April 2016