Passanten, spielende Kinder, Verkehrsstauungen – es gibt unzählige Gründe, die das vor einem fahrende Auto zum Bremsen zwingen können. Darauf sollte man als Autofahrer im Straßenverkehr eingestellt sein. Richtig ärgerlich und teuer kann es aber werden, wenn ein solches Bremsmanöver völlig unerwartet, quasi wie aus heiterem Himmel passiert. So widerfuhr es einer Pkw-Fahrerin. Sie konnte daher nicht mehr rechtzeitig auf die Bremse treten und fuhr auf das Auto vor ihr auf. Wie sich dann herausstellte, gab es doch einen Grund: Der Pkw hatte wegen eines Vogels gebremst. Nicht bekannt und unerheblich ist dabei, ob der gefiederte Freund am Straßenrand hüpfte oder – statt zu fliegen – über die Fahrbahn spazierte.


Ein Vogel ist kein Grund zum Bremsen

Die Pkw-Fahrerin sah hierin einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) und zog vor Gericht – mit begrenztem Erfolg. Nach dem erst kürzlich publizierten Berufungsurteil des Landgerichts Duisburg fand das Bremsen aus „nicht verkehrsimmanenten Grund“ statt. Denn nach Ansicht der Richter stellt ein Vogel keinen solchen Anlass dar. Ohne den Bremsvorgang wäre es aber zu keinem Auffahrunfall gekommen. Folglich ist die Beklagte für den Auffahrunfall verantwortlich. Allerdings trifft sie nur eine Teilschuld.


Fahrzeugabstand war nicht groß genug

Das Landgericht verwies auf die in der StVO geregelten Sorgfaltspflichten: Danach muss der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich abbremst. Diesen Sicherheitsabstand hatte die Klägerin nicht eingehalten, sei es, dass sie für die Verkehrssituation unangemessen schnell fuhr und/oder unaufmerksam war. Daher gaben ihr die Duisburger Richter ebenfalls eine Teilschuld.

Das Landgericht entschiedet sich für eine Haftungsverteilung von 70 zu 30 Prozent zulasten der Klägerin – und folgte damit der Quotierung des seitens der Klägerin in Anspruch genommenen Kfz-Versicherers. Die Konsequenz für Pkw-Fahrer liegt auf der Hand: Immer den Sicherheitsabstand einhalten! Wer weiß schon, wann wieder ein Vogel den Straßenverkehr kreuzt. (Landgericht Duisburg, Urteil vom 30. Juni 2016, Az.: 12 S 118/15)


Stand der Informationen: Dezember 2016